«Halt den Stift doch richtig!» – diesen Satz haben viele von uns als Kinder gehört. Und manche ertappen sich heute dabei, ihn selbst zu sagen. Dabei ist die Stifthaltung etwas, das sich über Jahre entwickelt. Kleine Kinder halten den Stift anders als Erwachsene, und das hat gute Gründe.
In diesem Artikel erfährst du, welche Griffe es gibt, warum eine lockere Stifthaltung hilfreich ist und wie du dein Kind mit Spiel und Geduld begleiten kannst – ohne ständig zu korrigieren.
Eine angenehme Stifthaltung macht das Malen und später das Schreiben leichter. Wenn die Finger locker und beweglich bleiben, ermüdet die Hand weniger schnell, und die Bewegungen werden feiner. Verkrampft sich die Hand dagegen, tut das Schreiben irgendwann weh, und die Lust geht verloren.
Gleichzeitig gilt: Es gibt nicht nur eine einzige «richtige» Haltung. Viele Erwachsene schreiben mit leicht abweichenden Griffen völlig problemlos. Entscheidend ist, dass die Haltung bequem ist, die Hand locker bleibt und das Kind gut sieht, was es tut.
Die Entwicklung verläuft bei jedem Kind anders, aber bei vielen Kindern lassen sich ähnliche Stufen beobachten:
Am Anfang wird der Stift oft mit der ganzen Faust gehalten, die Spitze zeigt nach unten oder zur Seite. Bewegt wird vor allem aus der Schulter und dem Arm. Das ist für Kleinkinder ganz normal.
Später rückt der Stift näher an die Finger. Die Hand liegt oft noch über dem Stift, die Bewegung kommt aus dem Ellbogen und dem Handgelenk. Die Striche werden gezielter.
Mit der Zeit halten viele Kinder den Stift zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger – oft «Dreipunktgriff» genannt. Manche nehmen den Ringfinger dazu. Mit zunehmender Übung bewegen sich dann vor allem die Finger, während Hand und Arm ruhiger werden.
Viele Kinder kommen im Kindergartenalter Schritt für Schritt bei einem solchen Griff an. Wann genau, ist sehr verschieden. Ein Kind, das mit vier noch anders greift, ist deshalb kein Grund zur Sorge.
Statt die Finger deines Kindes immer wieder umzusetzen, kannst du Situationen schaffen, in denen sich ein guter Griff wie von selbst ergibt.
Kurze Wachsmalstifte oder abgebrochene Kreidestücke lassen sich kaum mit der Faust halten. Die Finger greifen automatisch weiter vorne. Ein einfacher und oft wirkungsvoller Trick.
Ein Blatt an der Wand, eine Staffelei oder eine Tafel: Wer senkrecht malt, hält das Handgelenk oft ganz natürlich in einer günstigen Position. Ausserdem stärkt es Schulter und Arm.
Mit einer Kinderpinzette, einer Wäscheklammer oder einfach mit Daumen und Zeigefinger kleine Dinge sortieren: Pompons, Erbsen, Knöpfe. Der «Pinzettengriff» ist eng mit dem späteren Stiftgriff verwandt.
Viele Kinder mögen Bilder im Kopf. Zum Beispiel: «Daumen und Zeigefinger sind zwei Krokodilzähne, die den Stift festhalten. Der Mittelfinger ist das Bett, auf dem der Stift liegt.» Solche Geschichten bleiben besser hängen als eine Korrektur.
Kräftige, geschickte Finger halten den Stift leichter. Kneten, Teig rollen, Schwämme ausdrücken oder mit einer Spritzflasche Blumen giessen sind lustige Übungen für die Hand.
Manche Kinder greifen von Anfang an lieber mit der linken Hand zum Stift. Wichtig ist vor allem: Lass dein Kind die Hand wählen, die sich für es natürlich anfühlt, und versuche nicht, es umzugewöhnen. Linkshändige Kinder profitieren oft davon, das Blatt leicht schräg nach rechts zu drehen, damit sie sehen, was sie schreiben, und die Hand das Geschriebene nicht verdeckt. Auch eine Lichtquelle von rechts kann angenehm sein, damit die schreibende Hand keinen Schatten wirft.
Wenn dein Kind auch im Kindergarten noch sehr verkrampft greift, schnell über Schmerzen in der Hand klagt oder Stifte konsequent meidet, kannst du das mit der Kindergartenlehrperson oder der Kinderärztin bzw. dem Kinderarzt besprechen. Sie können einschätzen, ob eine Abklärung, etwa in der Ergotherapie oder Psychomotorik, sinnvoll ist. Übungsmaterial ersetzt keine fachliche Begleitung.
Mehr Ideen rund um geschickte Hände findest du in unserem Artikel zur Feinmotorik bei Kindern.
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